Das Kacken der anderen

Die Deutschen sind zu blöd zum Kacken. Es kann nicht anders sein. Wieso sonst sollten sie Klopapier (und Desinfektionsmittel) in Krisensituationen hamstern und horten wie nicht recht gescheit – und nicht einfach Nahrung? Es lässt sich nur spekulieren, was sie damit anstellen.

Ob sie es wohl nicht mehr gewohnt sind, zum abwischen „deutsch“, also „anständig“ einmal zu Falten, sondern das fünflagige parfümierte Papier zehnfach nehmen, damit ja nichts von den bösen bösen Bakterien und Viren an der Hand hängen bleibt?

Oder bleibt vielleicht sogar die sexuelle Befriedigung durch den Partner auf der Strecke und sie führen sich die Klorollen ein, weil man den Durchmesser durch Abwickeln so schön an die Analverkehr-Erfahrung anpassen kann. Das dürfte allerdings nicht ganz angenehm sein, ich weiß das, immerhin habe ich ein Arsenal von Silikon-Nachbildungen der männlichen Intimsphäre und schon das eine oder andere Körperteil, das nicht direkt als Geschlechtsorgan zu bezeichnen wäre in mir gehabt und das kann schnell etwas anstrengend und ruppig werden – da ist Klopapier überhaupt nicht sehr empfehlenswert.

Eine weitere These könnte sein, dass sich diese traurigen Gestalten – trotz aller körperlichen Strapazen – die Rollen im Ganzen einführen, schlicht um ihre durch Isolation und Abstinenz bedingte innere Leere kompensieren zu können.

Für viele ein Ding der Unmöglichkeit:
Sich der vermeintlichen Unvereinbarkeit von Denken und Stuhlgang entgegenstellen
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© Albert Schmelzkäs

Aber von diesen Spekulationen ganz abgesehen, was immer man auch mit palettenweise Klopapier anstellt; es kann nicht gut sein. Weder für die Darmwand, noch die innere Leere, aber vor allem auch nicht ganz für die Umwelt. Ich bin nun wirklich der allerletzte Mensch auf Erden, der Verständnis oder auch nur in Ansätzen Toleranz für das Personal, die Agenda und die Existenz einer Partei eines Hofreiter-Toni und eines sexy Habeck aufbringen kann, aber Fakt ist auch, dass drei Viertel der Weltbevölkerung kein Klopapier nutzen und/oder haben. Ob das der nomadische afrikanische Ureinwohner hinter einem Busch inmitten der Steppe oder ein japanischer Bankier auf seiner Hightech-Toilette mit Arschheizung, Rosettendusche, Kimmenföhn und Rüttelfunktion für besonders hartnäckige Verstopfung ist:

In großen Teilen Asiens, in Afrika, Südamerika und im nahen Osten wäscht man sich den Arsch mit Wasser. Und danach die Hände. Man verschwendet nicht tonnenweise Papier und ist (so man kein Hightech-Robo-Scheißhaus besitzt) sogar gezwungen, sich danach die Schmuddelfingerchen mit reichlich Seife zu kärchern. Den Skeptikern kann ich nur sagen: Ich schiebe vormals erwähnte Silikon-Penisnachbildungen natürlich nicht „einfach so“ in mich. Davor steht die Räumung, mit reichlich Wasser. Das geht schnell, ist bei JEDER „Konsistenz“ angenehm und vor allem auch Hilfreich bei faustgroßen, offensichtlich versteinerten Rosenkohlfossilien. Ich weiß also sehr genau, wovon ich rede.

Wer also glaubt, dass der Weltuntergang droht, wenn er kein Klopapier mehr hat, dass Toiletten nicht mehr nutzbar sind und er nicht an einem Virus sterben kann, weil ihn schon sein geplatzter Darm Wochen im Voraus erlegt haben wird – meine gute schwule Erziehung und ich (und ein paar Milliarden andere), wir sind auch mit einem Schlauch und warmem Wasser bestens bedient und können das im Falle eines tatsächlichen Armageddon wärmstens empfehlen.

Albert Schmelzkäs